Mindestens zwei Neue schaffen es

Bremgarter Bezirks-Anzeiger - Di, 31. Aug. 2021

Drei Bisherige und vier Neue kandidieren bei den Gesamterneuerungswahlen für den Gemeinderat

Der Gemeinderat von Zufikon wird einen personellen Umbruch erleben. Mit Vizeammann Karl Kaufmann und insbesondere dem langjährigen Gemeindeammann Christian Baumann treten zwei nicht mehr an, die die Dorfpolitik stark geprägt haben. De erste Wahlgang findet am 26. September statt.

André Widmer

Der Verzicht auf eine Kandidatur von Ammann und Vizeammann sorgt für neue Gesichter im Rat. Mindestens zwei Sitze werden neu besetzt. Theoretisch wäre auch eine Frauenmehrheit möglich, kandidieren doch bei den Neuen zwei Frauen. Es sind dies Claudia Cocco und Natascha Brunold. Klaus Kunisch und Reto Knecht sind weitere Alternativen.

Claudia Cocco (parteilos) erklärt ihre Ziele wie folgt: «Die Gemeinde Zufikon besitzt mit unseren tollen Vereinen bereits ein sehr abwechslungsreiches kulturelles Angebot für Klein und Gross. Dieses gilt es weiterhin zu unterstützen und dafür zu sorgen, dass das gemeinsame und gesellschaftliche Zusammenleben in Zufikon spannend bleibt. Ein richtiges Dorfzentrum beziehungsweise ein Begegnungsplatz für Alt und Jung wäre natürlich ein grosser Traum von mir.» Natascha Brunold (FDP) formuliert so: «Ich möchte mich mit dem Ratskollegium im Team mit der Weiterentwicklung des Dorfes nach den Bedürfnissen der Bevölkerung aller Gesellschafts- und Altersgruppen befassen. Ich setzte mich für ein lebendiges, aktives Zufikon ein. Ich möchte die Bevölkerung aktiver in die Dorfpolitik und die Gestaltung einbinden, einen Ort der Begegnung schaffen und sie animieren, am Geschehen teilzunehmen.»

Klaus Kunisch (SVP) erklärt: «Meine Ziele für die kommende Legislaturperiode hängen stark vom zugeteilten Ressort ab. Mein persönlicher Schwerpunkt liegt darin, unser Sozialwesen zu stärken. Es gibt in verschiedenen Gemeinden Resozialisierungsprogramme, die funktionieren.» Und Reto Knecht (Die Mitte): «Unser Dorf hat in den letzten Jahren einen regelrechten Schub erlebt. Dies bringt Herausforderungen mit sich, wie eine mögliche Schulerweiterung und den Infrastrukturausbau, möglichst ohne eine Steuererhöhung. Gerne würde ich auch das immer präsentere Problem des Litterings angehen.»

Hohe Qualität sichern

Boris Sommer (SVP) will den Blick nach innen richten und auf qualitativ hohem Niveau konsolidieren. «Konkret heisst dies für mich die hohe Qualität der Werke sichern, den Selbstversorgungsgrad im Bereich Wasser erhöhen sowie das Herz unseres Dorfes, die Menschen, neu zusammenbringen.» Gabriela Bereuter (Die Mitte) hat als Ressortvorsteherin Bildung spezifische Ziele: «Die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen verändern sich laufend. Angebote wie Spielplätze und Treffpunkte müssen modernisiert oder erweitert werden. Und: «Bildung ist ein wichtiger Baustein in der persönlichen Entwicklung unserer Jugend und schafft ihr später gute Voraussetzungen für den Einstieg ins Berufsleben.» Der parteilose Daniel Stark, der als bisheriger Gemeinderat auch als Gemeindeammann kandidiert, erklärt: «An der bisherigen Strategie der Gemeinde möchte ich zusammen mit dem Kollegium festhalten. Die knappe, nicht mehr gross erweiterbare Verfügbarkeit von Gewerberaum bereitet uns etwas Sorge, denn es ist wichtig, dass wir unser Gewerbe bei uns behalten können, insbesondere auch diejenigen, welche gerne in Zufikon erweitern möchten.»

Ist Zufikon fertiggebaut?

Zufikon hat in den letzten Jahren ein starkes Wachstum erlebt, zählte Ende 2020 4561 Einwohner. Zehn Jahre davor waren es 4140.

Die Ansichten der Gemeinderatskandidaten dazu sind unterschiedlich. Claudia Cocco erklärt: «Das Potenzial liegt nun darin, diese hohe Wohn- und Lebensqualität zu erhalten und wo möglich mit weiteren attraktiven Angeboten für unsere nachfolgenden Generationen auszubauen, ohne zu viel Kulturland zu verbauen. Ein moderates, qualitativ hohes Wachstum im Auge zu haben, ist dabei also sehrwichtig.» Natascha Brunold meint, dass die Lage mit dem Anschluss zur Sädelachse – Westumfahrung und die gute Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln diese Entwicklung fördern würden. «Wachstumsmöglichkeiten, wie wir sie in der Vergangenheit erlebten, wird es in naher Zukunft kaum mehr geben. Die letzten Reserven im Bereich Aettigüpf sind als Grüngürtel ausgeschieden und werden mittelfristig nicht bebaut. Massvolles, vernünftiges Wachstum ist durch den Ersatz von bereits bestehenden Bauten in einer verdichteten Bauweise möglich.» Klaus Kunisch sieht dem Wachstum positiv entgegen. «Im Moment sind mehrere Projekte im Bau oder in Planung und somit ist Zufikon stetig am Wachsen. Eine gute Gemeinde ist nur so stark wie die Bevölkerung, die sie trägt.» Auch Reto Knecht erklärt: «Das Wachstum bewerte ich als angemessen. Der Spagat zwischen der zunehmenden Einwohnerzahl und deren Verträglichkeit wird gut gemeistert. Weiteren Zuwachs sehe ich vor allem in Form von verdichtetem Bauen.»

Der bisherige Gemeinderat Boris Sommer erklärt hingegen: «Die Frage will ich anders betrachten. Ist weiteres Wachstum noch prioritär? In Anbetracht der Tatsache, dass sich Wachstum immer auch negativ auf Natur, Identität und Lebensqualität auswirkt, denke ich Nein.» Gabriela Bereuter, die am längsten der Zufiker Exekutive angehört, meint: «Die Gemeinde wird ihren ländlichen Charakter behalten. Aufgrund der nur noch knappen Landreserven soll das im Leitbild anvisierte Ziel von einer maximalen Gemeindegrösse von rund 5000 Einwohnerinnen und Einwohnern weiterverfolgt werden. Dies geschieht vornehmlich über verdichtetes Bauen.» Und Daniel Stark erklärt: «Da Zufikon nun fast keine Baulandreserve mehr hat, wird es zukünftig nur noch ein leichtes Wachstum von innen geben. Die Einwohnerzahl wird sich voraussichtlich gegen 5000 einpendeln, was in dieser Legislatur bereits als Ziel definiert war und ich auch in der kommenden vertreten werde.»

Gewerbe ist wichtig im Dorf

Und in welche Richtung soll es mit Zufikon in wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Hinsicht gehen? Die Neukandidierenden betonen jedenfalls die Wichtigkeit der KMU. Claudia Cocco erklärt: «Die Vereinbarung von Beruf, Familie und Freizeit wird uns alle auch zukünftig fordern. Des Weiteren sollen die verschiedenen KMU wo nur immer möglich unterstützt werden, um Arbeitsplätze zu sichern oder auszubauen. Der Gemeinderat soll eine Bewilligungsbehörde und nicht eine Verhinderungsbehörde sein.» Natascha Brunold: «Ich strebe eine transparente, nachvollziehbare und ressourcenschonende Gemeindepolitik an. In der Umwelt- und Energiepolitik startete Zufikon mit dem Solarprogramm in die richtige Richtung und soll sich der alternativen Energiequellen und der energetischen Gebäudesanierungen annehmen.» Klaus Kunisch beurteilt es so: «Die Richtung der Gemeinde, wie sie bis jetzt umgesetzt wurde, ist perfekt und soll so weitergeführt werden. Es soll gerade für KMU attraktiv bleiben.» Reto Knecht sieht einen wirtschaftlichen Fokus: «In der Zukunft wünsche ich mir ein Zufikon, dem es gelingt, weiterhin attraktiv für KMU zu sein. Es ist wünschenswert, dass weitere Unternehmen den Standort Zufikon wählen.»

«Steuererträge abhängig vom Wachstum»

Boris Sommer wiederum erklärt: «Ich träume von einem Zufikon, welches mit seinen vielen Stärken begeistern kann und so seinen Charakter als ‹Brückendorf›, zwischen urbanem Gebiet und Land, festigt.» Gabriela Bereuter sieht für das Gewerbe in die Zukunft: «Unsere Steuererträge sind direkt abhängig vom wirtschaftlichen Wachstum. Als Gemeinderätin und selbstständige Unternehmerin ist es mir wichtig, für das Gewerbe stimmige Rahmenbedingungen zu schaffen und damit auch Arbeitsplätze in der Gemeinde zu erhalten.» Und Daniel Stark: «Den Umgang mit den Finanzen – unseren Steuergeldern – schätze ich in Zufikon als vorbildlich ein, dies soll weiterhin so bleiben und ist daher ein wichtiges Kriterium, dass Zufikon weiterhin eine attraktive Gemeinde bleibt.»